Thema: BeSOS - Umgang mit psychischen Belastungen und Stärkung der Selbstregulation mit Hilfe des BeSOS-Modells
17. März 2026 | 13:00 bis 16:15 Uhr
Sächsischen Aufbaubank - Förderbank - (SAB), Pirnaische Str. 9, 01069 Dresden
– Zusammenfassung –
Das Team der TU Bergakademie Freiberg hat in ganz Sachsen das BeSOS-Modell zum Umgang mit psychischen Belastungen und zur Stärkung der Selbstregulation in zwei zentralen Onlineterminen und 13 Präsenzterminen für 64 Kooperationsverbünde Inklusion vorgestellt. Insgesamt haben an den Veranstaltungen 771 Lehrkräfte und Netzwerkpartner teilgenommen. Die Aufzeichnung der zentralen Einführungsveranstaltung kann nachgeschaut und nachgehört werden unter:
https://besos-sachsen.de/videos/?playlist=86ba586&video=6d8a856
Diese Schulungsreihe wurde in den Kooperationsverbünden angeboten, weil es vor Ort eine große Nachfrage gibt, wie mit Schülerinnen und Schülern umgegangen werden kann, die zunehmend stärker und häufiger unter psychischen Belastungen leiden.
BeSOS hält ein Beratungsinstrumentarium zur Stärkung bzw. Wiederherstellung der Lern- und Orientierungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern mit psychischer Belastung bereit. Dabei werden Lern- und Leistungsfähigkeit, Selbstregulation und Beziehungsgestaltung zusammengedacht.
Am 17. März 2026 fand die Präsenzveranstaltung in Dresden statt. Insgesamt nahmen 60 Lehrkräfte aller Schularten und Trägerschaften sowie Netzwerkpartner von 13:00 bis 16:15 Uhr teil.
Der große Saal der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank – (SAB) bot viel Platz, um den Ausführungen der Projektleiterin, Frau Dr. Wopat, im Plenum zu folgen sowie Inhalte in Kleingruppen oder größeren Gesprächskreisen mit den BeSOS-Experten zu vertiefen.
Ziel der Veranstaltung war es, zu erkennen und zu erproben, wie Kompetenzen zur Selbstregulation frühzeitig, niedrigschwellig und systematisch in Schule und Beratung gefördert werden können.
Nach der Begrüßung startete Frau Dr. Wopat mit der Wiederholung der wichtigsten Inhalte aus der Einführung zu den Grundlagen und Forschungsergebnissen. Es schloss sich das Durchdenken eines ersten Szenarios an – verbunden mit der Frage: Welche BeSOS-Technik bzw. welches BeSOS-Tool kann gut angewendet werden, wenn die Lehrkraft schon von Weitem hört, dass die Schülerinnen und Schüler im Klassenzimmer sehr laut sind, aber ein Reinstürmen und laute Ordnungsrufe vermieden werden sollten? Die Toolbox hält für diese Situationen etliche Möglichkeiten bereit.
In einer anschließenden Gruppenarbeit sollten je 4 bis 6 Lehrkräfte BeSOS-Strategien miteinander erörtern, die sie anwenden (könnten), um eigenen Stress zu reduzieren, oder auch kleine Rituale, die sich rasch zur Stressreduktion etablieren lassen. Zusammengetragen wurden zum Beispiel:
- Bauchatmen
- das Fenster öffnen und tief durchatmen
- die Ankertechnik nutzen (Hände-/Daumengriff)
- Steine auf der Stresspalme hin- und her schieben.
Nun galt es, Tools aus der Toolbox einzusetzen, hinter denen die Teilnehmenden selbst stehen, d. h. die sie persönlich bereits genutzt haben oder sicher nutzen werden. Denn nicht jedes Tool ist für jede Persönlichkeit – Lehrkraft und Schülerin oder Schüler – sowie Klassenstufe gleich gut geeignet.
Die Gruppen arbeiteten weiter an konkreten Situationen aus dem Schulalltag. Die Ideen, wie man den teilweise sehr herausfordernden Situationen mit BeSOS begegnen könnte, wurden in durchmischten Gruppen mit je einem BeSOS-Projektmitarbeitenden besprochen. Dieser Austausch mit den Experten hatte einen großen Mehrwert, da er direkte Rückmeldungen mit Forschungsblick zu Ideen und Vorschlägen der Lehrkräfte mit täglicher Praxiserfahrung ermöglichte.
Als erstes Zwischenfazit konnte festgehalten werden:
Man sollte die einzelnen Techniken und Tools kennen und sie selbst als Lehrkraft ausprobieren. Was mir als Lehrkraft hilft, sollte dann auch den Schülerinnen und Schülern vorgestellt und angeboten werden. Zuerst kann man die Techniken gemeinsam ausprobieren und dann individuell anwenden lassen, z. B. vor der Klassenarbeit, der Prüfung, im Streitfall, egal, ob es eine Atemtechnik oder Mentaltechnik ist oder Techniken zur positiven Selbstbestärkung.
In der Veranstaltung folgte nun der schwierige Teil: Welche Antworten kann das Projektteam geben, wenn schwierige oder extreme Situationen des Verhaltens von Schülerinnen und Schülern in der Schule und im Unterricht geschildert werden? An dieser Stelle wurden klar die Grenzen der BeSOS-Toolbox dargestellt. Bei den geschilderten Verhaltensweisen ist die Beratung in einem Team, möglichst multiprofessionell, notwendig. Sollte z. B. die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler in einer Klasse nur physisch anwesend sein, aber die Kommunikation ablehnen, dann war die Empfehlung, zuerst in die Kommunikation mit dem Einzelnen zu gehen.
Um Inhalte des Präsenzseminars möglichst nachhaltig zu verankern, wurden die Teilnehmenden abschließend aufgefordert festzuhalten, was ihre nächsten Schritte in Hinblick auf die Anwendung der BeSOS-Techniken sein werden. Sie notierten: Was mache ich wie, bis wann und mit wem? Wie sieht mein Plan für morgen, für die nächste Woche oder bis zum Schuljahresende aus? Was möchte ich genau probieren, umsetzen oder fest in meinen Schulalltag integrieren?
In der Auswertungsphase wurde die Frage gestellt, wie der Transfer des Wissens und des Erprobten in den Schulalltag gelingen kann, insbesondere, wenn die Kolleginnen und Kollegen den Techniken gegenüber sehr skeptisch sind und z. B. sagen: atmen könne doch jeder.
Überzeugen können wohl nur die Ergebnisse: Was hilft mir selbst und den Schülerinnen und Schülern bei der Selbstregulation? Dafür wurden in der heutigen Veranstaltung vielfältige Angebote gemacht. Wie sie jede oder jeder für sich nutzt, entscheidet jede Person für sich.
Das BeSOS-Team freut sich auch über individuelle Rückmeldungen unter info@besos-sachsen.de
Aus Sicht der Autorin wäre es denkbar, ein Vertiefungsseminar mit einem Rückblick auf den Anwendungsprozess und einen weiteren Austausch zum Thema in den Kooperationsverbünden zu planen, um allen Schülerinnen und Schülern das gemeinsame, selbstregulierte und inklusive Lernen zu ermöglichen – gern auch zusammen mit Eltern.
Dr. Ina Lehmann
Inklusionsverantwortliche im SMK